Sternwanderung 2010 ( Fotos )
Eine Initiative vom Verein Lebensraum Ottnang

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Zuletzt aktualisiert am 02.12.2011

Bürgermeister Josef Senzenberger präsentiert hier den Ort Holzleithen
und auch Geschichtliches aus unserer Region.
Im Bild: Bgm. Josef Senzenberger bei seinem Vortrag




Werter Vereinsvorstand Lebensraum Ottnang, Werte Gemeindebürger!

Ich darf ihnen heute einen Überblick über die Geschichte und Entstehung unseres Heimatortes Holzleithen übermitteln. Holzleithen liegt an der Südseite des Hausruckwaldes. Gegen Süden und Südosten bietet der Ort einen freien Blick auf die Alpen. Holzleithen liegt aber auch am Beginn der Gemeinde Ottnang , von Nordwesten aus gesehen. Holzleithen, am Fuße des Hausruck, war auch einstmals Grenzort zwischen Bayern und Österreich.

Die erste Urkundliche Nennung der Ortschaft Holzleithen war 1399. Zur Römerzeit führte ein römischer Verbindungsweg von Schwanenstadt und Ottnang durch Holzleithen ins Innviertel und somit über den sogenannten Tanzboden, nach dem die heutige Tanzbodenstraße benannt ist.

In einem Schreiben aus dieser Zeit steht:
" Beide Tanzflecken, der zu linken österreichischen und der zur rechten Hand bayrisch ist, besuchen Summers Zeiten beider Land umliegends Jungs Bauerngsindel und halten gemeine Tänze ab ".

Auf dem Tanzboden dürfte sich auch eine alte Gerichtsstätte befunden haben. In der Grenzbeschreibung des Forstmeisters von 1581, heißt es: " Und bis der Galgen Puechen auf der Hochstrass unzt auf den Tanzboden ".

Zu dieser Zeit gab es 2 bäuerliche Anwesen in Holzleithen. In einem Schreiben von 1560 steht zu lesen: Ein Ratsbürger von Wels mit seiner Frau sind Besitzer eines Zehentteiles, des Großen und kleinen Zehents von 2 Bauern in Holzleithen. Die genannten verkaufen diese Zehente an: Casimir von Polheim und Wartenburg und an dessen Vettern Ciriak, Sigmund, Ludwig und Seyfried, ebenfalls Herren von Polheim und Wartenburg. Bei den Liegenschaften in Holzeithen, Pfarre Ottnang handelt es sich um a) das Obermayrgut, darin der Sigmund Mayr aufsitzt und b) das Putzengut, darauf derzeit Jörg und Ulrich Holzleithner sesshaft sind.
Dies war mein späteres Elternhaus, das sogenannte Haunalhaus. Der Haunalbaur fand der Sage nach Gold am nachher sogenannten Goldberg und wurde reichster Bauer der Gemeinde. Bevor dieser nicht die Kapelle am Christlberg mit seinem Sechsspänner passierte wurden die Kirchenglocken nicht geläutet.

Der Bergbau, hielt 1870 in Holzleithen Einzug , welcher nachhaltig diesen Ort prägte. 1875-1877 Anschlag der Stollen in Holzleithen namens Arcostollen , Emmerichstollen und Segengottesstollen. Neben dem Verwalter und 6 Aufsehern waren in Holzleithen und Hausruckedt 305 Arbeiter beschäftigt.

1877 begann der Bau der Kronprinz Rudolf Bahn zwischen Attnang und Ried. Bei der ersten Projektierung der Bahnlinie war nicht einmal eine Haltestelle vorgesehen.

Hier der Bahnhof um 1897 und Heute 2011


Der Bahnhof wurde erst geplant als man sich zum Bau der Flügelbahn 1879 nach Thomasroith geeinigt hatte.
In Holzleithen errichtete man daraufhin ein Heizhaus, eine Drehscheibe, ein einstöckiges Stationsgebäude, ein Magazin und eine Verladerampe. Damit die um Holzleithen abgebaute Kohle verladen werden konnte, wurde 1879 eine Verladeanlage, bestehend aus Brecher, Sortieranlage und Verladebühne und zusätzliche Geleise errichtet. Die Verladeanlage war mit einer Förderbahn zu den 3 Stollen verbunden. Oberhalb dieser Anlage befand sich das Haus der Bergwerksverwaltung. Zur Unterbringung der Bergleute und deren Familien war es notwendig Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Es kam zum Bau der typischen Koloniehäuser. Die Häuser mit den Nummern 1, 2 und 3 waren vormals Bauernhäuser, welche aber auch vom Bergbaubetrieb gekauft und adaptiert wurden.

1892 kam es zur Gründung der Bergknappen-Musikkapelle Holzleithen- Hausruckedt.

1971 errichteten sie in Eigenregie ein Musikerheim und 1987 wurde ein Bergmannsdenkmal in Form eines Stollenmundloches mit einer Diesellok und zwei Grubenhunten errichtet. Obmann der Bergknappen- Musikkapelle ist Bernd Loibl.

1921 kam es zur Gründung des Arbeiter.- Turn und Sportvereines Holzleithen, welcher heute über ein modernes Clubgebäude verfügt und mehr als 400 Mitglieder zählt. Der ATSV Holzleithen betrieb früher eine Sprungschanze, die sogenannte Bartlschanze, wo bei den alljährlichen Springen eine Vielzahl prominenter und bekannter Schispringer teilnahmen. Auch der Langlaufsport wurde großgeschrieben. Bezirks.- und Landesmeisterschaften wurden abgehalten. Obmann des ATSV Holzleithen ist Gerhard Breit.

1912 kam es zur Gründung der Sozialdemokratischen Partei Ortsgruppe Holzleithen. 1924 wurde von den Parteimitgliedern und Bergarbeitern ein Arbeiterheim , das nunmehrige Gasthaus zum Traunsteinblick, in Eigenregie gebaut. Dieses diente zu Kinofilmvorführungen und Veranstaltungen jeder Art. Auch die Bruderlade, der spätere Konsum war darin beheimatet.

1934 kam das Arbeiterheim Holzleithen zu trauriger Berühmtheit.

Februar 2012


Der Bürgerkrieg brach am Morgen des 12. Februar 1934 in Wien und Linz aus. Im Hausruckgebiet sammelte sich der Schutzbund in Holzleithen. Schützengräben wurden ausgehoben und der Eisenbahntunnel zwischen Holzleithen und Eberschwang unpassierbar gemacht.

Am Nachmittag des 12. Februar rückte Militär aus Ried i. Innkreis an. Ein Versuch, gegen den Eisenbahntunnel vorzurücken, scheiterte, ebenso ein Versuch, über den Hausruck nach Holzleithen vorzustoßen. Der befehlshabende Leutnant handelte mit dem Kommandanten der Schutzbündler, Ferdinand Fageth, einen Waffenstillstand aus. Dennoch eröffneten Soldaten am Eisenbahntunnel das Feuer auf patrouillierende Schutzbündler, von denen 3 starben.Am 13. Februar rückte das Militär sowohl von Norden wie auch von Süden gegen Holzleithen vor. Sie wurden unter Feuer genommen und es kam zu schweren Kämpfen, die mehrere Tote und Verwundete kosteten.

Nachdem Verstärkung für die Schutzbündler ausblieb, räumte Fageth das Arbeiterheim und zog sich mit 30 Mann zurück. Mittlerweile waren Soldaten aus Ried von Norden her nach Holzleithen vorgerückt und die Welser Alpenjäger sowie die Heimwehr stürmten gegen 16:30 Uhr in das schon geräumte Arbeiterheim. Im Haus befanden sich nur noch Frauen und Kinder sowie die unbewaffneten Schutzbundsanitäter. Diese befanden sich schon seit Stunden im Keller, ohne Kontakt zu den Kämpfenden. Einer der Sanitäter konnte noch fliehen, die anderen sechs wurden auf die Bühne des Saales gestellt und ohne jede Verhandlung erschossen.
Vier von ihnen starben, zwei überlebten schwer verletzt. Im Anschluss an die Ereignisse wurde die Sozialdemokratie verboten und das Arbeiterheim annektiert. Es wurde bis zum heutigen Tage nicht wieder den ursprünglichen Eigentümern zurückerstattet. Dies ist das traurigste Kapitel des Ortes.

Doch nun wieder zu erfreulicherem!
1957 gründete sich der Brieftaubensportverein Glück Auf - unter dem nochmaligen Obmann Walter Kunesch. Der Brieftaubensportverein veranstaltete in der Vergangenheit Tanzveranstaltungen sowie den Faschingszug in Bruckmühl. Zwischenzeitlich hatte Holzleithen auch einen Hundeabrichteplatz sowie mehrere Gasthäuser, eines davon mit Hundepension. Eines der wichtigsten Güter unserer Gemeinde kommt ebenfalls aus Holzleithen und fließt bei den meisten Gemeindebewohnern aus den Wasserhähnen, nämlich das Wasser der Giesserquelle! Unser Trinkwasser!

2005 wurde in Holzleithen das Elternkindzentrum errichtet, welches sich bester Beliebtheit erfreut und in dem zahlreiche Veranstaltungen für die Familie stattfinden. Wir sind ebenfalls stolz, dass sich in Holzleithen seit einigen Jahren auch ein praktizierender Arzt niedergelassen hat.

Dies war die Vorstellung unseres Heimatortes Holzleithen in geschichtlicher Hinsicht. Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit!

Ihr Bürgermeister Josef Senzenberger